Über uns


Faszination Rudern

Foto: M. Happel

Frühmorgens. Kurz nach Sonnenaufgang. Noch geht kein Wind, das Wasser ist glatt. Das Boot gleitet ruhig unter dem Rollsitz durch, die Blätter gehen mit einem leisen Plum! hinein und einem Plisch! wieder heraus. Die Bewegung ist gleichmäßig, es reiht sich Schlag an Schlag. Rudern, das heißt ein Boot mit Rudern fortbewegen. Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, einem oder zwei Ruderblättern am zweiarmigen Hebel und auf einem Rollsitz, der es erlaubt, die meiste Arbeit mit den Beinen zu leisten. Im Skullboot hat man in jeder Hand ein Ruder, Skull genannt, im Riemenboot nur eins in beiden. Ein Riemen geht nach links, ein Riemen nach rechts. Im Riemenboot ist man ein halbes Paar. Das Gleichgewicht zu halten ist gemeinsames Werk. Gemeinsam setzen, gemeinsam ziehen, gemeinsam ausheben. Nur gemeinsam ist ein gleichmäßiger Bootslauf möglich. Achtsamkeitstraining in Reinkultur. Das macht Rudern zum Mannschaftssport. Rennboote sind schmal und leicht, Gigboote etwas breiter und schwerer, Wanderboote, Seegigs und Küstenruderboote noch etwas mehr. Und in Barken und Kirchbooten sitzt man sogar nebeneinander. Jeder leistet seinen Beitrag. Männlich, weiblich, jung, alt, frisch dabei oder schon ewig. Rudern erlaubt ein Gemeinschaftserlebnis, auf das man sich einfach nur einlassen muss.

Rudern eine Sportart für Aktive jeden Alters

Für Anfänger empfiehlt sich die Teilnahme an einem „Schnupperkurs“, bei dem das Rudern in konzentrierter Form vermittelt wird. Schließlich werden Ruderboote in einem öffentlichen Verkehrsraum bewegt. Aschaffenburg liegt an einer transeuropäischen Wasserstraße, die Nordsee und Schwarzes Meer miteinander verbindet. Da sollte man die Verkehrsregeln beherrschen und sich entsprechend verhalten können. Dies lernt man bei der Ausbildung und weist dann seine Kenntnisse bei einer Prüfung nach.

Wer nach Größerem strebt, zieht entweder in den Wettkampf oder in die Ferne oder beides. So haben Aschaffenburger Ruderer Renn- und Wanderruderstrecken rings um die Welt berudert, und dabei an Wettbewerben von launischen Freundschaftswettfahrten in Club und Nachbarschaft bis zu Deutschen oder Weltmeisterschaften teilgenommen, oft erfolgreich.

Der Verein

Der RCA hat derzeit 355 Mitglieder, davon sind 53 Jugendliche, etwa zwei Drittel männlich und ein Drittel weiblich. Dazu passend gibt es etwa 200 Plätze in den Booten, davon allein 3 Achter für Renn- und Breitensport, aber auch Einer, Zweier, Dreier, Vierer und ein Fünfer.

Unser Ruderrevier

Der Main zwischen Schleuse Obernau bei Fluss-km 93 und Schleuse Kleinostheim bei Fluss-km 78.

Training vorm Pompejanum

Die Aktivitäten des Ruderclubs lassen sich grob in 4 Gruppen teilen:

Breitensport

Das Schwergewicht liegt auf dem Breitensport für Bewegungsfreudige aller Alters- und Fertigkeitsstufen, spöttisch, aber zutreffend auch „Feierabend-Rudern“ genannt, weil es in den Monaten mit Sommerzeit meist unter der Woche nach Feierabend stattfindet. Aber es gibt auch eine Vormittagsgruppe. Man trifft sich in lockeren Runden, das Ziel ist, keinen am Ufer zurückzulassen.

Die Emsigeren und Fernwehkranken unter ihnen nutzen möglichst jede Gelegenheit, um sich die nötigen Schwielen, Ausdauer und das Sitzfleisch anzutrainieren, das man für Wanderfahrten braucht – wenigstens 30 km müssen es sein, und nicht selten werden diese auch weiter weg oder auf schwierigeren Gewässern gerudert, zum Beispiel auf dem Rhein, der Weser oder auf dem Meer. Ruderer und Ruderinnen aus unserem Club haben auch schon Wettfahrten vor Nizzas Corniche absolviert, den Bodensee oder Elba umrundet, auf der Nord- oder Ostsee gerudert, Severn und Themse in England befahren, oder gar den Gambia in Afrika. Weiter weg als bis zum Waikato-River in Neuseeland hat es aber noch keiner geschafft.

Masters Renngemeinschaft aus 5 Vereinen bei der Roseninselregatta auf dem Starnberger See

Leistungssport

Aber es gibt auch Beflissenere, die den sportlichen Wettkampf suchen und dafür eifrig trainieren. Speziell das Kinder- und Junioren-Rennrudern wird in Aschaffenburg kultiviert. Unter kundiger Anleitung mehrerer Trainer und Ausbilder werden hier die 10- bis 14-Jährigen auf Wettbewerbe wie den Bundeswettbewerb der Kinderruderer oder in Kooperation mit den ortsansässigen Schulen für „Jugend trainiert für Olympia“ vorbereitet, die 15- bis 18-Jährigen auf nationale und internationale Meisterschaften bis hin zur Junioren-Weltmeisterschaft.

Auch für Senioren-Rennen wird trainiert – „Senior“ ist die international übliche Altersklassenbezeichnung für die 19- bis 26-Jährigen. Und genauso trainiert wird für die Masters-Klassen, die den Bereich von 27 bis derzeit „über 84“ abdecken. Und gerne auch mit Gleichgesinnten aus anderen Vereinen in Renngemeinschaft.

Regatta Großauheim im gemischten Doppelvierer

Ergänzende Sportangebote und Vereinsgemeinschaft

Dazu gibt es auch noch andere, ergänzende Sportarten und gesellschaftliche Aktivitäten. Als Ausgleichssport steht Gymnastik hoch im Kurs (speziell im Winter), die Leistung kann man mit Kraftsport an Hanteln und Geräten steigern, für die Wasserscheuen stehen über 20 Ruder-Ergometer zur Verfügung. Nach dem Training trifft man sich im Clubhaus mit Vereinsgaststätte. Weitere Freizeitangebote umfassen gesellige Veranstaltungen wie das Sommerfest, Lakefleischessen und Schafkopfturniere, aber auch Wanderungen in der Umgebung von Aschaffenburg.

Herbstwanderung 2021

Text: Reinhard-Karsten Mürb, Gesa Kirsch
Fotos: Armin Hacker, Andreas Stegmann, Susanne Sittinger, Roseninsel-Achter: MRSV (gemeinfrei), M. Happel